Laut einer Studie der Arbeiterkammer ist ein positiver Trend bei der Kinderbetreuung erkennbar. Eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist aber noch nicht flächendeckend gegeben.
St. Michael ist eine der Lungauer Gemeinden, die mit dem Gemeindekindergarten und Maria Höllers Kinderbetreuung den Vereinbarkeitsindikator für Beruf und Familie erfüllt. Bild: SW/Roland Holitzky
Das Ergebnis der jüngsten AK-Kinderbetreuungsstudie zeigt ein zwiespältiges Bild für das Bundesland Salzburg. Ein Trend zum Positiven ist zwar zu bemerken, vor allem hinsichtlich der Öffnungszeiten, doch, so AK-Präsident Siegfried Pichler: „Die Verbesserungen reichen nach wie vor nicht aus, um Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie flächendeckend zu ermöglichen beziehungsweise zu erleichtern.
Das Studienergebnis bekräftigt einmal mehr unsere Forderungen und ich appelliere an die Politik, nicht die falschen Signale zu setzen – gerade in Zeiten der Krise und der Sparpakete!“
Nach wie vor unbefriedigend ist in Salzburg vor allem die Betreuung der unter Dreijährigen und der Schulkinder, wobei auch das negative Nord-Süd-Gefälle weiterhin auffällt: Das Krabbelstuben-Angebot beträgt lediglich 18 Prozent und nimmt Richtung Süden signifikant ab, bis hin zu null im Lungau. Noch augenfälliger sind die Unterversorgung mit institutioneller Betreuung und das Nord-Süd-Gefälle bei den Schulkindern: Mit 12,5 Prozent bilden die Schulkindgruppen das Schlusslicht im Angebot, wobei im Lungau gar keine gefunden wurden. Auch bei den Öffnungszeiten ortet die Studie noch viele Defizite, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschweren – das gilt speziell auch für die Ferienregelungen. Die aktuelle Untersuchung wurde noch effizienter gemacht: Zum einen weitete die AK die Stichprobenstudie auf 456 Betreuungseinrichtungen in 119 Salzburger Gemeinden aus. Zum anderen sei sie mit dem Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (VIF), einem neuen Bewertungsinstrument, jetzt und in Hinkunft noch aussagekräftiger, erklärt Studienautorin und AK-Frauenreferentin Stephanie Posch.
Die VIF-Indikatoren fordern mindestens 45 Stunden wöchentliche Öffnungszeit, werktags Montag bis Freitag, an vier Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden geöffnet, ein Angebot für Mittagessen. Weiters darf die Betreuungseinrichtung maximal fünf Wochen im Jahr geschlossen sein.
Die VIF-Kriterien werden laut Studie derzeit von nur rund 29 Prozent der Salzburger Kinderbetreuungseinrichtungen (Kindergärten, Krabbelstuben, alterserweiterte Gruppen) erfüllt. Im Lungau sind es gerade einmal drei Gemeinden: Tamsweg, St. Michael und Mauterndorf.
Zur Ermittlung der Betreuungsquote wurden die in einer Gemeinde wohnhaften Kinder bis 14 Jahre herangezogen. Damit wurde die Anzahl der institutionell betreuten Kinder in den einzelnen Gemeinden und Bezirken verglichen. „Versorgungssieger“ ist die Stadt Salzburg mit einer Versorgungsdichte der Betreuungsangebote von 30,99 Prozente.
Der Lungau liegt hier mit 20,61 Prozent an vierter Stelle. Die beste Betreuungsdichte im Lungau weisen Tweng-Obertauern mit 40 Prozent sowie St. Margarethen mit 28,7 Prozent auf.
Originalartikel auf: Salzburger Nachrichten: Kinderbetreuung hat noch viel Aufholbedarf